Tragetuch und Tragehilfen - Nur für Frauen in Afrika?


Schon lange ist das Tragen in westeuropäischen Ländern Salonfähig geworden. In diesem Beitrag findet ihr mein Wissen kompakt zu dem Thema, mit vielen Tipps und wichtigen Informationen. Viel Spaß dabei!

Tragetücher und Bänder wurden schon zu allen Zeiten der Menschheitsgeschichte und in allen Kulturen genutzt. Im Zuge der Sesshaftigkeit hat in Mitteleuropa die Wiege einen besonderen Stellenwert in der Säuglingsversorgung eingenommen. Tragetücher dienten in erster Linie dem Transport auf Reisen aber nicht der Integration des Babys in den Alltag wie in weiten Teilen Asiens, Südamerikas oder Afrika.

Erst in den 1970er Jahren wurde das Tragen als Zeichen der bindungsorientierten Elternschaft neu entdeckt. Die ersten Tragetücher und Bindetechniken wurden in Deutschland von Erika Hoffmann gewebt bzw. publiziert

Warum Du Dein Kind tragen solltest:

  • Das Tragen in Tragetüchern und Tragehilfen entspricht dem natürlichen Bedürfnis von Säuglingen und Kindern. Sie sind in ihrer Körperhaltung dem Tragen angepasst.
  • Tragen unterstützt die natürliche psychomotorische Entwicklung des Kindes.
  • Durch das Tragen entsteht Bindung, es wirkt stressregulierend sowie spannungsausgleichend und unterstützt die Selbstregulation des Kindes.
  • Tragen hat Einfluss auf die ideale Motorik und spricht das motorische Lernen des Kindes an.
  • Das Kind reagiert auf die Bewegungen der Mutter und die Mutter reagiert auf die Bewegung des Kindes. 
  • Tragen spricht die Tiefensensibilität, das Gleichgewicht, Koordination, Ausdauer und die Kraft beim Kind, wie auch beim Tragenden an.
  • Tragen aktiviert den Haltungshintergrund und die Aufrichtung des Rumpfes
  • Die Gelenke kommen in ihre physiologische Mittelstellung. Die Hüfte wird durch den Dreiklang von Flex/ABD/AR, auch Anhock-Spreizhaltung genannt, zentriert. Durch die Steigbügelhaltung wird die funktionelle Fußstellung unterstützt. Die Füße des Kindes werden dabei von den Händen des Tragenden wie bei einem Steigbügel gehalten.


Welche Merkmale hat ein gutes Tragetuch?



Gute gewebte Tragetücher erkennt man an ihrer Festigkeit in Kette und Schuss, Querelastizität und doppelt vernähten Kanten.


Neben den gewebten Tragetüchern finden sich auch „elastische Tragetücher“. Eine Interlockwebtechnik gibt dem Material seine Dehnbarkeit. Diese Tücher benötigen eigene Bindetechniken, um die Stabilität zu gewährleisten. Dazu braucht es immer mehrere Lagen Tuch.

Grundsätzlich gibt es für beide Tragetucharten eine Fülle von unterschiedlichen Techniken für Bauch, Hüfte und Rückentragen.

Bei den Tragetüchern gibt es eine Vielzahl an Anbietern hier gilt:

Es gibt bei den Tragetüchern keine Favoriten. Alle sind gut. Einzig der Stoff, die Farbe, die Bindeeigenschaft, welche dem Einzelnen gefällt ist ausschlaggebend. Man sollte verschiedenen Bindetechniken ausprobieren, da macht die Vielfalt des Tragens dann richtig Spaß.
Am besten sucht man mit dem Kind gemeinsam in einer Trageberatung ein passendes Model aus.

ACHTUNG! „Wiegentechnik“: Tragen von Kindern in der Rückenlage

Beim Tragen in der sog. Wiegentechnik besteht Erstickungsgefahr, wenn das Kinn Richtung Brust gedrückt wird. Außerdem können sowohl Zentrierung als auch das Aktivieren der Halte- und Stellreaktionen nicht stattfinden. Eine angemessene Anhock-Spreiz-Stellung, Dreiklang, für die Hüftentwicklung ist hier nicht möglich.


Expertenwissen - Trageberaterin

Die Trageberatung ist eine Fortbildung für Fachpersonal aller Fachrichtungen, die mit Eltern arbeiten. Ziel ist es, Eltern bei der Auswahl und Anwendung von Tragehilfen und -techniken zu unterstützen.

Tragen als Therapieergänzung setzt immer ein interdisziplinäres Arbeiten voraus: Basierend auf den Vorgaben der behandelnden Therapeuten, den Ideen der Trageberatern und den Vorlieben und Bedürfnissen der Eltern und Kinder werden entlastende Lösungen gefunden.

Es empfiehlt sich vor dem Kauf eines Tragetuchs bzw. einer Tragehilfe, sich von einer Trageberater/in beraten zu lassen.

Eine gute Trageschule ist die Dresdner Trageschule unter der Leitung von Ulrike Höwer. Mehr Informationen findet ihr hier.


Tragehilfe- Was es zu beachten gibt:

Es wird eine Vielzahl von Tragehilfen im Handel angeboten. Die Tragehilfe geht auf das in vielen Teilen Asiens verbreitete Mei Tai zurück: Eine Trage mit vier Bindebändern und einem quadratischen Rückenteil.

Die erste, auf diesem Prinzip basierende Tragehilfe, der ErgoBaby Carrier, war eine Kombination aus dem Mei Tai und Elementen des Wanderrucksacks. Er wurde 2003 von Karen Frost auf Hawaii entwickelt.

Folgende Qualitätsmerkmale sollte eine gute Trage haben:

  • Bequem für Eltern und Kind?
  • Baut sich die Haltung des Kindes in der Trage physiologisch auf?
  • Stellt sich das Becken des Kindes korrekt ein?
  • Ist der Dreiklang (Anhock-Spreizhaltung: Beugung, Abspreizung, Außenrotation) gegeben?
  • Richtet sich die Brustwirbelsäule auf?
  • Stabilisiert sich der Kopf?
  • Stellt sich der Fuß in seiner Physiologie ein?
  • Ist Anpassungsmöglichkeit an unterschiedliche Entwicklungsgrößen des Kindes gegeben?
  • Ist die Haltung des Tragenden physiologisch und aufgerichtet?
  • Längenverstellbare Gurte und im Rücken überkreuzbar?
  • Schnallen stabil, sicher und einfach zu bedienen?

Welch Erfahrungen hast du mit dem tragen gemacht? Welches tragetuch oder- system ist dein Favorit?

LG

BIRGIT

Keine Kommentare

Kommentar veröffentlichen