Sinn und Unsinn von Babygeräten Teil 1


Welche Anschaffungen machen Sinn, welche Geräte können der Entwicklung schaden und wie kann ich mein Kind bei der Entwicklung Unterstützen. Diese Fragen klären wir in unserem Beitrag und räumen mit den Mythen der Top 4 Babyanschaffungen auf. Viel Spaß!

Viele Eltern fragen mich regelmäßig, welche Anschaffungen sinnvoll sind und welche sogar schädlich für die Entwicklung der Kleinen sein kann. Mittlerweile gibt es wirklich so viel Auswahl. Die meisten Eltern wollen ihrem Schatz nur etwas gutes tun und möglichst effektiv die Entwicklung unterstützen. Bei all den Werbeversprechen "So lernt ihr Kind schneller laufen", "Die Entwicklung wird beschleunigt" verstehe ich die Eltern. Deshalb findet ihr hier unsere Übersicht:

1) Gehfrei - schnellere Entwicklung?


Oft werden die Babys in ein Gehfrei gesetzt, bevor diese angefangen haben zu krabbeln. Das Kind lernt durch diese Laufunterstützung nicht früher das Laufen, sondern sogar später. Es verlässt die physiologische Entwicklungsfolge und Fehlhaltungen in der Wirbelsäule, wie in den Füßen sind die Folge. Häufig läuft, bzw. tänzelt das Kind dann jahrelang auf den Zehenspitzen. Gefährliche Treppenstürze, mit großer Verletzungsgefahr, bis hin zur Gehirnschädigung können eine Folge sein.

FAZIT: Der Gehfrei ist entwicklungshemmend, unphysiologisch und gefährlich. Es erfolgt keine Abstützreaktion der Hände bei einem Sturz und es besteht eine hohe Schädigungsgefahr für Haltung und Füße! Wir Raten von einem Kauf ab!


2) Türhopser - Spaß oder Gefahr?



Wie das Gehfrei, so ist auch der Hopser entwicklungshemmend und gesundheitsschädlich. Der Hopser wird meist im Türrahmen befestigt oder hat ein eigenes Gestell. Gummiexpander machen es dem Kind möglich, auf den Zehenspitzen auf und ab zu hüpfen. Viel zu früh werden die Füße belastet und dies in der pathologischen Spitzfußhaltung. Spätfolgen in der Haltung und in der Fußstellung, sowie in der Bewegungsentwicklung sind die Folgen. Alle Rumpfgelenke, wie Hüftgelenke, Knie, Wirbelgelenke, werden bei der hopsenden Bewegung gestaucht. Ganz besonders werden im Hopser die oberen Kopfgelenke belastet, welche zu diesem Zeitpunkt noch nicht vollständig ausgebildet sind.

FAZIT: Hopsende Spielgeräte, wie z.B. Trampoline oder Hüpfburgen sollten bis zum 3. Lebensjahr gemieden werden. Das Atlanto-Axialgelenk (obere Kopfgelenke – Genick) ist noch nicht vollständig entwickelt und wird durch das Hüpfen stark belastet und gestaucht.


3) Laufstall - ein sicherer Ort oder Einschränkung des Bewegungsraums?


Ein Laufstall bzw. Laufgitter wird häufig mit einer Schlafmatratze, Polsterumrandung und höhenverstellbarem Boden angeboten. Auf den ersten Blick erscheint dies sinnvoll. Das Kind schläft beim Spielen ein und kann in Ruhe weiterschlafen. Die Höhe des Laufstalls lässt sich individuell und Rücken schonend für die Eltern einstellen. Er dient als Schutz- und Spielraum und kann schon ab dem Neugeborenalter benützt werden. Erst mit dem Hochziehen in den Stand verdient der Laufstall seinen Namen.

Vorteile:

  • Es ist ein geschützter Raum für das Kind, wenn die Eltern im Haushalt arbeiten oder den Raum kurz verlassen.
  • Spielzeug kann an den Seitenwänden befestigt werden. Dies ist für die Bewegungsmotivation sinnvoll.
  • Die Meilensteine „Halbkniestand - Hoch ziehen in den Stand“ und die „Küstenschifffahrt“ gelingen an den Seitenwänden des Laufstalls.
  • Der junge Säugling ist ungestört vom älteren Geschwisterkind.
  • Das ältere Geschwisterkind kann ungestört selbst im Laufstall spielen.

Nachteile:

  • Der Bewegungsraum des Kindes ist eingeschränkt.
  • Der Aufenthalt sollte nur für kurze Zeit sein und kein Daueraufenthaltsort.
  • Er ist kein Schlafplatz, da der Untergrund zu hart für den Rücken ist.
  • Meist befindet sich zu viel Spielzeug auf wenig Raum.

FAZIT: Der Laufstall muss rechtzeitig tiefer gestellt werden, bevor sich das Kind in den Stand hochzieht – ansonsten besteht Sturzgefahr!
Der Laufstall dient als Schutzraum und kann unter korrekter Anwendung sinnvoll sein.

4) Lagerungskissen für den Kopf


Es gibt verschiedene Modelle von Lagerungskopfkissen. In der Mitte der Kissen befindet sich eine Mulde, zur Formung des Hinterkopfes. Die Schultern bleiben frei. Manche Kissen haben einen festen Nackensteg, allerdings gibt dieser unnötig Druck auf das empfindliche Atlanto-Axial-Gelenk. Diese Kissen werden meistens für Kinder angeboten, welche eine Einseitigkeit in der Kopfdrehung zeigen.

Vorteile:

  • Eine flache Kopfverformung soll positiv entgegen gewirkt werden.
  • Der Kopf soll in der Mittelstellung gehalten werden.

Nachteil:

  • Das Kissen ist nur in der Rückenlage nutzbar. Ein Umlagern auf die Seite ist nicht möglich.
  • Die Nackenmuskeln können sich verkürzen durch eine Fehlstellung der Kopfhaltung im Kissen.
  • Die Fehlstellung (Blockade) des Atlanto-Axial-Gelenkes bleibt im Kissen erhalten und verfestigt sich zusätzlich.
  • Es entsteht eine vermehrte Körperspannung.
  • Bei der Helmtherapie wird das Kissen überflüssig.
  • Es darf nicht verwendet werden bei Kindern mit einer auffälligen motorischen Entwicklung. Verkürzungen der Nackenmuskeln und eine Erhöhung der Körperspannung können die Entwicklungsverzögerung begünstigen.

FAZIT: Ein häufiges Umlagern des Kindes und eine überwachte Bauchlage vermeiden eine Verformung des Kopfes von Anfang an.
Ein Verrutschen des Kissens wird verhindert, indem es unter das Spannbetttuch gelegt wird. 
Es sollte nicht in der Nacht verwendet werden.
In Absprache mit dem Arzt bzw. Physiotherapeut ist das Kissen bei Schädelasymmetrie bedingt empfehlenswert!


Hilfreiche Links und mehr Input zu dem Thema:

In meinem Buch: Babys in Bewegung: Spielerisch bis zum ersten Schritt findest du viel Wissen und Vorschläge über die Entwicklung der Babys, sowie die Förderung der einzelnen Meilensteine.


Alles über die einzelnen Entwicklungsschritte und die dazugehörigen Meilensteine findest du hier:
Mit 12 Entwicklungsschritten durch das erste Lebensjahr
Die kindliche Entwicklung im ersten Lebensjahr Quartal 1+2
Die kindliche Entwicklung im ersten Lebensjahr Quartal 3+4

Wie war das bei Dir, welche Erfahrungen hast Du mit all diesen Anschaffungen gemacht? Hat es Deinem Baby geholfen? Wir freuen uns über Dein Feedback.
LG 




Ist Einschlafstillen schlimm?


Hallo liebes Team von BIB,

Ich bin zum ersten mal Mutter und meine Tochter (jetzt sechs Monate alt) hat am Anfang sehr viel geweint und ließ sich nur mit der Brust beruhigen. Auch einschlafen kann sie nur mit dem stillen oder im Tragetuch. Ich habe mir darüber nicht so viele Gedanken gemacht und dachte: Meine kleine Maus benötigt das vielleicht einfach.

Jetzt tausche ich mich viel mit den anderen Mamas in PEKIP aus und werde regelrecht verachtet dafür, das ich noch "Einschlafstillen" praktiziere. Ich meine natürlich wäre es schön, wenn mein Kind einschlafen würde, wenn ich sie ins Bett lege (von ganz alleine(. Allerdings habe ich das schon öfters probiert und nach vielen Tränenreichen Minuten habe ich aufgegeben und sie wieder gestillt.

Manche Geschichten machen mir mittlerweile wirklich Angst. z.B:

"Meine Freundin stillt Ihr Kind immer noch zum Einschlafen und das ist bereits 2, anders schläft das kleine gar nicht ein"

Das möchte ich natürlich nicht. Ich freue mich auf meine langsam wiederkehrende Freiheit, dennoch will ich meiner Tochter geben was sie benötigt. Ich weiß nicht recht weiter?

LG

Laura



Birgit Kienzle-Müller antwortet:

Liebe Laura,

Kinder müssen das Schlafen erst lernen. Die wenigsten Kinder schlafen von Anfang an gleich im Bettchen ein ohne Regulation von außen (z.B Stillen, Hand halten usw.). Wie bei allem hat auch hier jedes Baby ganz individuelle Bedürfnisse nach Nähe und benötigt manchmal einfach die Mama zur Selbstregulation.

Als die Kleinen noch im Bauch waren, wurden sie über den Tag hinweg geschaukelt und bewegt. Sie kommen also genau durch viel Bewegung und Körperkontakt in den Schlaf.
Das in den Schlaf hineinstillen, beruhigt in den ersten Wochen, gibt der Mutter Sicherheit und stärkt die Bindung. Wenn Du Dich mit dem Einschlafstillen wohl fühlst, gibt es keinen Grund daran etwas zu ändern. Denn ihr zwei schreibt eure eigenen Regeln in eurer Mutter-Kind Beziehung. Möchte die Mutter das Kind zum Einschlafen nicht mehr stillen, dann wird das Kind dies akzeptieren und braucht dann diese Einschlafzeremonie nicht mehr. Hier ein paar Tipps, falls du an deiner Abendroutine etwas verändern möchtest:

  • Legt man das Kind aus der Tiefschlafphase ab in sein Bett, erwacht es recht schnell daraus. Die Unterlage fühlt sich für das Kind kalt an oder auch hart, es liegt ausgestreckt. Dies nimmt das Kind im Unterbewusstsein wahr und erwacht. 
  • Ungünstig ist es, wenn das Kind woanders aufwacht, als es zuvor eingeschlafen ist, dies wirkt irritierend auf das Kind. Im Halbwachzustand ins Bettchen ist sinnvoller als tief schlafend. Zuerst auf die Seite legen und die Hand auf dem kleinen Körper belassen, so findet das Kind besser in den Schlaf, da die frühkindlichen Massenbewegungen, wie z.B. der Mororeflex, nicht den Schlaf stören kann. So bald das Kind schläft, wird es langsam auf den Rücken zurückgelegt. 
  • Bei vielen meiner Patienten hat es sehr gut geholfen ein Spucktuch mehrere Tage im eigenen Bett zu belassen, damit es den Duft der Eltern annimmt. Dann ans Bettchen hängen oder wenn das Kind schon danach greifen kann, daran riechen lassen beim Einschlafen und an die Wange halten. 
  • Einschlafen am Tag durch Bewegung in der Hängematte ist super (Erfahrung der Eltern).
  • Nachts versuchen dem Kind Wasser anstatt der Brust anzubieten.
  • Man kann auch versuchen ein Kuscheltier anzubieten.


Zu Bedenken: schläft das Kind auf dem Arm ein, kann unser Arm den Nacken des Kindes verspannen. Dies kennen wir, wenn wir selbst im Arm unseres Partners einschlafen, danach ist der Nacken steif.

Wie war das bei Dir? Hast Du noch Tipps für unsere Community? Immer her damit! :)

Liebe Grüße
Birgit

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Wir freuen uns auf Deine Fragen!

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