Zeigt her eure Füße – zeigt her eure Schuh


Täglich bin ich in meinem Praxisalltag mit einer diagnostizierten Fußfehlstellung konfrontiert. Deshalb liegt mir dieser Artikel sehr am Herzen und ich möchte dir dazu mein Wissen an die Hand geben. Wie du eine Fußfehlstellung bei deinem Kind verhindern kannst, was beim Schuhkauf deine besondere Beachtung verdient und was man für gesunde süße Babyfüße alles wissen muss erfährst du hier.

Jeder Schritt beginnt ganz klein

Kinderfüße brauchen 7 Jahre, bis sie sich vollständig entwickelt haben. Bis dahin müssen die kleinen Füße einige Entwicklungsschritte durchlaufen:

Schon im Bauch drücken sich die kleinen Füße gegen die Wand der Gebärmutter. Der Schreitreflex, kurz nach der Geburt, zeigt gleich zu Beginn der Entwicklung die spätere Aufgabe der kleinen Füße. Hält man das Neugeborene in aufrechter Körperhaltung, so machen die Beine bereits jetzt erste Schreitbewegungen.

In der Bauchlage im Meilenstein symmetrischen Ellenbogenstütz (ca. dritter Monat) drücken sich die kleinen Zehen in die Unterlage und helfen so mit den Oberkörper gegen die Unterlage aufzurichten. Mit dem Meilenstein "Robben" (ca. mit sieben Monaten) beginnt die Stehbereitschaft: Versucht man das Kind auf die Füße zu stellen, dann strecken sich die Beine. Die Füße übernehmen zu diesem Zeitpunkt zum ersten Mal das Körpergewicht.

Bestimmt konntest du den Test schon beim Kinderarzt beobachtet. Diesen Test solltest du auf keinen Fall als eine Übung für dein Kind übernehmen. Ein Üben schädigt das sich noch aufbauende Fußgewölbe. Anhand dieser Übung kann der Kinderarzt beurteilen wo das Kind in seiner Entwicklung steht. Zuerst beginnt das Baby zu Robben, dies ist die erste Vorwärtsbewegung. Das Krabbeln ist die zweite Vorwärtsbewegung mit der ersten Schrittbewegung der Beine.
Der Halbkniestand bringt das Kind dann in die Aufrichtung.

Ein weiterer wichtiger Meilenstein für die Fußentwicklung

...ist die Küstenschifffahrt mit ca. elf Monaten. Das seitliche Laufen an der Wand entlang formen die Quer- und Längsgewölbe der Füße. Erst mit fast vierzehn Monaten, genau genommen mit 13 ½ Monaten,  gehen die Kinder frei. Das erste Gehen wirkt noch tapsig. Die Hüftgelenke stehen bei den Kleinen noch weit vorne, dadurch wird der kleine Po wie bei einer Ente nach hinten weg gestreckt und das kleine Bäuchlein wölbt sich nach vorne. Meist sind die Beinchen noch O-förmig geformt. Bis zum dritten Lebensjahr brauchen die Füße, um den Watschelgang zu verlieren. Zu diesem Zeitpunkt kann das Kind dann über die Fußsohlen abrollen. Diese Veränderung des Gangbildes hängt mit der Aufrichtung des Rumpfes und der Geradestellung des Beckens zusammen. Die Hüftgelenke stehen jetzt an der richtigen Stelle, in der Verlängerung der Schultergelenke.

Es gilt: Die Füße sind der Zeiger des Rumpfes. Ist der Körper aufgerichtet und hat die Muskulatur die notwendige Körperspannung, so stehen die Füße korrekt und das Gangbild ist physiologisch. An der Stellung der Füße erkennt man Fehlstellungen im Rumpf.

Gesunde Füße – gute Schuhe – gute Haltung

Ein Säugling braucht noch keine Schuhe, auch keine Sportschuhattrappen. Diese sind zu fest und lassen die ungezwungene Entwicklung des Fußes nicht zu. Mit dem freien Laufen braucht das Kind Schuhe. Freies Laufen heißt, das Kind läuft ohne Hilfe, kann alleine aufstehen und loslaufen, stoppen und die Richtung selbständig ändern.

Schuhe braucht das Kind für den Außenbereich. Im Haus reichen Rutschsocken oder Puschen. Barfuß laufen fördert die Ausbildung der Fußmuskulatur und die Aufrichtung, sowie die Ausformung der Füße. Kräftigend für die Fußmuskulatur ist das Laufen im Sand.

Schuhe, aber richtig: Was beim Schuhkauf zu beachten ist

  • Säuglinge brauchen keine Schuhe. Socken halten die Füße warm.
  • Erst nach dem freien Laufen werden Schuhe gekauft.
  • Gebrauchte Schuhe, auch nur kurz getragen, verändern die Fußstellung
  • Schuhe müssen passen in der Länge, in der Breite und im Schaft. Herausnehmbare Innensohle erleichtert die Überprüfung. Der Schuh darf ca. 1 cm größer sein als der Fuß.
  • In den ersten zwei Jahren wird die Ferse vom Schuh umschlossen.
  • Die Schuhsohle ist weich und in alle Richtungen biegbar.
  • Das Obermaterial ist weich und gibt dem Fuß Halt.
  • Mehr Halt durch Schnüren.

Schuhe kaufen gehört in Fachhände. Eine gute Beratung zahlt sich aus.


Tipp: Laufen formt Füße: Gemeinsam zum Kindergarten gehen, ein Spaziergang über eine feuchte Wiese, spielen am Strand am Meer, mit den nackten Füßen durch das Watt, wandern in den Bergen.

Frei nach dem Motto: "Füße sind zum Laufen da."

Häufige Fehler

  • Wenn gute Schuhe gekauft wurden und billige Schuhe angezogen werden, damit man die „Guten“ schont.
  • Anstatt zu laufen, wird selbst für kurze Strecken das Auto benützt. Die Füße verlieren ihre Bestimmung.
  • Gummistiefel, Badeschuhe und Kunststoffschuhe sind nicht geeignet zum Laufen. Sie lösen den Fußgreifreflex aus, die Zehen krallen. 
  • Leder-Krabbelschuhe dürfen ab dem Krabbelalter immer angezogen werden. Hier muss man darauf achten, dass die Naht zwischen Sohle und Obermaterial nicht wulstig nach innen zum Fuß hineindrückt. 

...denn Schuhe verändern das Gangbild und die Form der Füße. Ich wünsche euch und euren Kindern wunderschöne erste und sichere Schritte. Wünscht du dir noch mehr zu dem Thema? Wie sind deine Erfahrungen dazu? Ist für dich der Schuhkauf auch eine Herausforderung?

LG

BIRGIT


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