Die kindliche Entwicklung im ersten Lebensjahr Quartal 3+4

3. Abschnitt: siebter Monat bis neunter Monat


Fortbewegung - kleine Entdecker auf Tour
Drehen, Robben, Krabbeln, Sitzen jetzt gilt es die Welt zu erkunden. Von Tag zu Tag wird das
Kind immer mobiler und sein Bewegungsdrang zieht immer größere Kreise. Vom Kreiseln um
die eigene Achse, über das Rückwärtsschieben zum Robben und Krabbeln zum freien Sitzen,
alles ist möglich. Das Greifen wird immer feiner und kleinste Krümel können vom Boden
aufgenommen werden. Es fremdelt und weint beim Anblick von Fremden.

„Schau, was ich schon kann!“

Grobmotorik:
Das Kind wird mobil. Es beginnt die spannende Zeit der Aufrichtung und der Fortbewegung. Alle
frühkindlichen Reflexe sind nun erloschen und machen es möglich, dass das Kind sich in seiner
Willkürmotorik entwickeln kann. Fällt dem Kind das Spielzeug aus der Hand, wird es nun
versuchen dieses wieder zu erlangen und sich in diese Richtung zu strecken und zu wenden.
Das erste Drehen findet vom Rücken auf den Bauch statt und wird als Fortbewegung entdeckt.
Schon bald rollt es sich durch das ganze Zimmer. Auch das Kreiseln um die eigene Achse, das
Robben und die Aufrichten in den Vierfüßlerstand kommen nach und nach. Das Krabbeln ist
dann ein weiterer Schritt. Gleichgewicht, Koordination, Kraft und Ausdauer werden durch das
Krabbeln trainiert und der Hand-Augen-Abstand ist dann der gleiche, wie später in der Schule
beim Schreiben.

Feinmotorik:
Das Greifen wird immer feiner. Zuerst greift das Kind mit der ganzen Hand. Als nächstes lernt
es den Scherengriff: Daumen und Zeigefinger überkreuzen sich. Jetzt können schon klein Dinge
ergriffen werden. Es folgt der Pinzettengriff und noch kleinere Krümel können vom Boden
aufgelesen werden. In Rückenlage kommt das Kind nun mit seinen Händen an seine Füße und
steckt diese in den Mund: Hand-Fuß-Mund-Koordination.

Gehirnentwicklung:
Der Endeckerdrang ist geweckt. Es fixiert und verfolgt mit seinen Augen Dinge und Personen.
Um zu be-greifen werden die Hände gezielt eingesetzt. So gelangt das Kind an ein Spielzeug
und macht damit seine Erfahrungen. Fällt ein Spielzeug nach unten, so schaut das Kind ihm
nach. Blinzeln und das Abstützen mit den Händen haben sich jetzt als Schutzreflexe entwickelt.

Sprache:
Das Kind plaudert in unterschiedlichen Tonarten und Lautstärken. Die Sprachentwicklung und
die Feinmotorik sind eng miteinander verbunden. Das Kind probiert Doppellaute wie „au“, „ei“,
„hu“ aus.

Sozialverhalten:
Das Sehen verfeinert sich. Es sieht gut in die Ferne und in die Nähe. Das Kind hält inne bei
bekannten Geräuschen und macht darauf aufmerksam. Nun beginnt das Fremdeln. Diese
Phase ist bei jedem Kind unterschiedlich ausgeprägt.

Tipp:
Gemeinsames Toben, Spielen auf dem Boden macht Spaß und gibt Freude. Fingerspiele,
Reime und Kinderlieder erfreuen das Kind.


4. Abschnitt: zehnter Monat bis 13 1/2 Monate


Hoch hinaus will jedes Kind
Der erste Schritt ist ein ganz besonderes Ereignis. Laufen können wie Mama und Papa, das ist das Größte.

Nun ist der Endeckerdrang des Kindes nicht mehr zu bremsen. Überall versucht
sich das Kind hoch zu ziehen. Entlang der Wand in „Küstenschifffahrts-Manier“ kommen die
ersten seitlichen Schritte. Die ersten Versuche alleine zu stehen, enden oft auf dem Po. Ganz
alleine und in einem unbeobachteten Augenblick schafft das Kind seine ersten Schritte ins
Leben hinein. Kann es erst einmal laufen, so ist es nicht mehr zu stoppen. Dem Glück steht
nichts mehr im Weg. Die ersten Worte kommen, meist ist es „Papa“ und „Mama“. Aus dem
Baby wurde ein Kleinkind. Eine ganz besondere Persönlichkeit entwickelt sich.

„Schau, was ich schon kann!“

Grobmotorik:
Vom Krabbeln kommt das Kind in den Sitz. Im Langsitz sind beide Hände frei. Ein
Spielzeug kann somit noch besser untersucht werden. Hoch hinaus geht es nun. Das Kind zieht
sich hoch an Möbeln in den Stand. Die ersten noch gehaltenen Schritte sind zur Seite, genannt
„Küstenschifffahrt“. Es kommt mit den Füßen voran vom Sofa. Vom Boden drückt sich das Kind
über den Bärenstand hoch in den Stand. Jetzt braucht es Zeit bis das Kind alleine frei im Raum
stehen kann und plötzlich ist es dann soweit. Das Kind macht seine ersten Schritte seinen
Eltern entgegen. Die Schritte sind noch unsicher und gewagt. Hat es das Laufen entdeckt, wird
es sich nicht mehr krabbelnd auf dem Boden fortbewegen. Aus der Hocke kommt das Kind in
den Stand. Es kann im Laufen, stoppen und die Richtung wechseln. Das Laufen sieht noch
tollpatschig aus.

Feinmotorik:
Mit dem Zangengriff werden die kleinsten Krümel aufgenommen. Von der geschlossen Hand bis
zur feinsten Fingerfertigkeit hat sich das Greifen entwickelt. Die Feinmotorik wird immer graziler
und feiner. Das Kind blättert in Bilderbüchern, kann einen Stift ergreifen und schiebt ein
Spielzeugauto auf dem Boden und wirft einen Ball. Vor Begeisterung klatscht das Kind in die
Hände.

Gehirnentwicklung:
Das Kind kennt seinen Namen. Auf die Aufforderung „Wo ist die Mama?“, „Wo ist der Papa?“
schaut das Kind zu der jeweiligen Person. Körperteile am eigenen Körper können richtig gezeigt
werden. Es schmeißt mit Vorliebe Spielzeug auf den Boden und freut sich über das Geräusch.

Es steckt nur noch Spielzeug in den Mund, welches es nicht kennt. Am liebsten spielt es „Bitte-
Danke Spiele“ Geben und Nehmen von Gegenständen.

Sprache:
Das passive Sprachverständnis wächst, d. h. das Kind versteht schon viel. Wünsche werden mit
bestimmten Lauten, wie z.B. „äh“ geäußert. Flüsternd und ganz laut sein, so wird die Sprache
ausprobiert. Die ersten Worte sind häufig „Papa“ und „Mama“.
Sozialverhalten:
Die Trotzphase kann beginnen. Hier zeigt sich das starke Streben des Kindes nach
Selbständigkeit. Mit jedem Schritt, den das Kind freihändig macht, wachsen sein
Selbstbewusstsein und sein Entfaltungsspielraum. Das Interesse an anderen Kindern ist groß,
zu fremden Personen ist das Kind eher zurückhaltend. Es ahmt häusliche Tätigkeiten wie
wischen und kehren nach und kann auch einen gefüllten Löffel zum Mund führen.

Tipp:
Lassen Sie Ihrem Kind Zeit für seine Entwicklung. Greifen Sie nicht ein, in dem Sie Ihr Kind
einfach hinsetzen oder mit ihm das Laufen üben. Dieses negative Eingreifen verzögert nur die
Entwicklung und bringt für die Zukunft Fehlhaltungen in der Körperaufrichtung und wichtige
Erfahrungen in der Entwicklung, wie das Hochstützen oder das Krabbeln hat es nicht gemacht.
Entwicklung fördern

10 wichtige Tipps:

Greifen Sie der Entwicklung nicht voraus. Entwicklung braucht Zeit.
• Eine „Spielwiese“ im Wohnbereich auf dem Boden, fördert den Bewegungsdrang.
• Mehr Zeit füreinander: Gemeinsames spielen, bewegen, lachen und singen gibt
gemeinsame Freude.
• Weniger Spielzeug ist mehr.
• Neugierde wecken, Selbstbewusstsein stärken.
• Zuwendung fördert die Sprachentwicklung.
• Sprechen Sie von Anfang an mit Ihrem Kind und lassen Sie ihm Zeit zu antworten.
• Sehen, hören und fühlen - zeigen Sie Ihrem Kind sein zu Hause.
• Rituale erleichtern den Alltag.
• Vermeiden Sie Überforderung und Übermüdung.

Wie erging es dir während diesen Entwicklungsschritten? Wie hast du diese Zeit empfunden?
Stell mir gerne deine Fragen.

Hier findest du den ersten Teil zu diesem Beitrag:
Die kindliche Entwicklung im ersten Lebensjahr Quartal 1+2


LG

BIRGIT

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